Detailinformationen
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 355
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 355
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
Sondershausen, Bremen, 27.06.1868. - 3,5 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: Lieber Freund, Ich schreibe Dir 1) um mich im Du zu üben 2) um Dich wiederholt eine Deiner Ouvertüren zu bitten und 3) um Dir zu schreiben, was ein sehr geistreicher Grund ist. Aber im Ernst, kannst Du mir bald eine Deiner Ouvertüren schicken? Ich würde mich sehr freuen und Dir sehr dankbar sein, denn wir lechzen nach Novitäten, und müssen fortwährend Neues und Neuestes bringen. Beide Ouvertüren sind mir gleich lieb. Sollte eine schon bald im Stich fertig werden, vor Ablauf unserer Saison (sie schließt am 24. Sept.) so schaffe ich sie an. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich auch erkundigen, wie es mit der Herausgabe Deiner Vocalquartette aussieht. So weit ich weiß, hatte Cranz („Die Blüthe aller Verleger“ wie ich ihn mitunter bei Zärtlichkeits-Anwandlungen nenne) sich bereit erklärt, sie zu drucken. – Wie lebst Du sonst – Wie lebt Ihr? – Glückliches Volk, Ihr könnt alle Wonnen und Herrlichkeiten des Rheins genießen, während ich -. Ich lebe in Erinnerungen, sehe fast Niemanden, suche Heimweh und Sehnsucht nach dem Rhein, nach Euch Freunden, nur durch anhaltende Arbeiten zu betäuben. Wir machen die schönste Orchestermusik, haben auch wieder einmal wöchentlich unser regelmäßiges Quartett – kurz, es fehlt nicht an guter Musik. Auch hat man wahrlich in diesem Nest Muße genug zum Arbeiten, und ich bin, wie gesagt, furchtbar fleißig, - aber alles das giebt mir keine innere Befriedigung. Im August kommt meine Schwester; ich will suchen, es ihr ein bischen behaglich zu machen, und hoffe, sie bleibt recht lange. Auf diese Zeit freue ich mich jetzt schon. Die Sinfonie ist bereits fertig, zum Theil schon beim Copisten; in 14 Tagen werde ich sie hören. Ich denke, es soll alles so klingen wie beabsichtigt. Gleichzeitig habe ich Anderes unternommen. – Ist deine freundlich Hausfrau, Frau Betty, schon in Hamburg? Wenn nicht, so grüße sie aufs Freundschaftlichste von [mir], so wie Königslöw. Siehst Du Stockhausens in Neuenahr, so sag alles Gute von mir. – Den eng verbundenen Freundinnen Eures hübschen Kreises, namentlich Fräulein Waldmann und Ernst meine besten Grüße. Lass recht bald von Dir hören, und freue Dich Deines Lebens am Rhein. Immer Dein treu ergebener Max Bruch Vergiß nicht, Deine von mir sehr verehrten Eltern und die Freundin Eures Hauses Frl. B. zu grüßen. Ich probierte vorgestern die A-Dur-Serenade von Brahms (mit Bratsche). Sehr bald bemerkte ich Unmuth unter den Spielern, der sich nach und nach in verhaltenes Lachen auflöste. Das Ganze klang so miserabel , und nach meiner Ansicht hat er sich in allen Wirkungen so vollständig verrechnet, daß ich die Aufführung für absolut unmöglich hielt und das Stück vom Programm strich. Unsereins sollte einmal so instrumentiren und solche triviale Motive erfinden, wie im Rondo. Wir würden gleich gesteinigt; Auch fehlt jede Jugendfrische in der Erfindung! Alles ists grau in grau. Das hält kein Mensch aus.Bruch, Mathilde [Erwähnt], Königslöw, Otto Friedrich von (1824-1898) [Erwähnt], Stockhausen, Julius (1826-1906) [vermutlich] [Erwähnt], Stockhausen, Clara [vermutlich] [Erwähnt], Rudorff, Betty (1808-1887) [Erwähnt], Rudorff, Adolf Friedrich (1803-1873) [Erwähnt], Rudorff, Gertrud (1853-1937) [Erwähnt], Völkers, Betty [Behandelt]
Musikverlag August Cranz (1814-1992) [Behandelt]
Bemerkung: Max Bruch
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4307703, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4307703
Erfassung: 8. Dezember 2025 ; Modifikation: 19. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-19T11:06:51+01:00
