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Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 581
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 581
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
08.05.1907. - 4 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: (morgens) M.L. Da ich nunmehr Gewissheit darüber habe, wo Du bist, will ich Dir kurz berichten, wie die schwebende Angelegenheit sich entwickelt hat. Also: Sowohl Kahn als auch Wolf sind fertig und haben ihre Arbeiten an mich abgeliefert. Kahn hat sich die Sache ein bischen zu leicht gemacht, hier und da ist er auch zu rigoros verfahren und hat Dinge ernstlich monirt, die zwar nicht gerade schön sind, aber doch kein geeignetes Angriffsobject bilden können. Auch hat er hier und da mit süddeutscher Unbefangenheit und Derbheit Ausdrücke gebraucht, die an dieser Stelle unstatthaft sind, z. B. „Biermusik“. Im Uebrigen aber hat er auch manchmal das Rechte getroffen. Ganz anders Wolf. Der hat sich grosse Mühe gegeben, und in einem besonderen „Anhang“ einen grösseren gelehrten Apparat in Bewegung gesetzt, um seine Ausstellungen im Verzeichnis zu begründen. Sobald ich alles genau revidirt habe, schicke oder bringe ich Dir beide Mscrpte zur Durchsicht. Auch mein „Nachwort“, (welches aber m. E. besser als Bericht und Begleitschrieben dem Verzeichnis beizulegen wäre) ist fertig. Ich sende ihn hierbei. Deine „goldenen Worte“ in der kürzeren Fassung habe ich mit Wonne aufgenommen. Ein treffendes Wort des Ministers v. Studt (gesprochen am 26/4 im Preuss. Abgeordn.-Haus) hatte ich mir notirt, und habe es verwendet. So habe ich nun S. Maj. und S. Excell. auf ihre eigenen Worte festgenagelt, sie dadurch geradezu zu Gesinnungsgenossen gemacht und Schlauheit (!) mit Weisheit (!) zu verbinden gesucht. Ueberlege nun, was etwa noch anders und besser zu machen wäre! Da ich noch wegen eines Gutachtens, welches das Kgl. Amtsgericht Berlin C. von der H.Sch. erbittet und welches m.E: in Deinen Ressort fällt, mit Dir mündlich Rücksprache nehmen muss, so komme ich übermorgen, Freitag d. 10/5 Morgens 10 Uhr und bringe dann ausser den vom Gericht eingesandten Acten auch alles Andere mit. Wenn ich keine Antowrt erhalte, so nehme ich an dass Du zu Hause bist, und mich erwartest. (Nachmittags, in Friedenau) Ich bin tief verstimmt und gänzlich deprimirt: die scheussliche Salome hat in Paris einen Riesenerfolg gehabt – das ist der Welterfolg; der verfl-e Anarchist kehrt mit Orden u. Schätzen beladen zurück. Wo bleiben wir da mit unserer Opposition? Was haben wir noch zu hoffen – wird nicht das Minsiterium viel zu feige sein um die Lieder eines so weltberühmten Menschen hinauszuwerfen? Ich sage mit Elias: „es ist genug“ – und suche nach einem Kloster oder einer einsamen, wüsten Insel! Dein getr. M. Bruch.Kahn, Robert (1865-1951) [Erwähnt], Wolf, Leopold Carl (1859-) [vermutlich] [Erwähnt], Studt, Konrad (1838-1921) [Erwähnt]
Bemerkung: Max Bruch
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4311655, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4311655
Erfassung: 8. Januar 2026 ; Modifikation: 8. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-08T14:56:36+01:00
