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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut KölnMax-Bruch-ArchivSignatur: Br. Korr. 154, 624

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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv

Signatur: Br. Korr. 154, 624


Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser],Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]

19.09.1907. - 8 Seiten mit Kuvert, Deutsch. - Brief, Beischrift

Inhaltsangabe: MB Joachim-Rede – in Extra-Couvert (siehe 1907-09-19 Punkt 2) – Transkription: Erklärung der letzten Aenderungen S. 11 produktive Kritik – vgl 1. Violinkonzert op. 26 / S. 12-14 - die konservative Haltung von JJ, Manifest 1860 / S. 14 Bescheidenheit (?) („Nur die Lumpe sind bescheiden“) Aenderungen in der Rede: [S.1-9 nur kleine stilistische Verbesserungen] S. 11 habe ich einen Zusatz gemacht, der nicht unwichtig ist und eine Eigenschaft Joachim’s in helles Licht stellt, die bis dahin noch nicht berührt war: seine entschiedene Begabung für die Art von Kritik, die man im Gegensatz zu der gewöhnlichen, bloß nörgelnden, unfruchtbaren Kritik nennt: „Productive Kritik“ (wie u. A. auch Lessing sie im höchsten Grade besaß, und auch Schiller in seiner herrlichen Besprechung des „Wilhelm Meister“ – im Briefwechsel mit Goethe – sie ausübt.) Ich z.B. besitze Briefe aus alter Zeit von Joachim über die erste Fassung meines I. Viol. Concertes, die ganz ausgezeichnete Vorschläge enthalten; jede von ihm vorgeschlagene Aenderung war auch eine Verbesserung. Mit dem Zusatz: ... „ob er nun Freunden als einsichtiger Berater Berather mit productiver Kritik zur Seite stand, oder ... „ – bist Du wohl einverstanden?! – Ich werde ja wohl auch nicht der Einzige sein, der J. dies nachrühmen kann! – S. 12 (unten) und 13. Lies doch, bitte, diesen ganzen Absatz nochmals aufmerksam. Es würde mir etwas sehr Wesentliches fehlen, wenn ich Joachims allgemeines Verhältniß zur Kunst und zu den modernen Verirrungen nicht wenigstens mit einigen Worten berühren wollte. Der besondere Anlaß fordet allerdings die größte Mäßigung im Ausdruck; / schade! Man möchte wahrlich lieber dreinhauen!! / aber ich hoffe doch, daß man versteht, was ich meine. Das Gaoethe’sche, herrliche Citat möchte ich hier nicht entbehren, weil es in wahrhaft classische Weise Joachims musikalisches Credo, unser Credo, und das unserer Schule ausspricht. Und gerade bei diesem Anlaß und in dieser Zeit, wo alles unsicher ist und schwankt und wir nicht wissen was werden soll, - da möchte ich noch einmal mit wenigen, aber wuchtigen Worten unsern Standpunkt klar bezeichnen. Goethe imponiert vielleicht sogar einem Geheimrath im Ministerium – wer weiß! / Und wenn nicht, so haben wir doch doch [sic] einmal den Muth unserer Meinung gehabt! / S. 14 (unten, auf dem aufgeklebten weißen Blatt) habe ich es für durchaus nöthig gehalten, unter Joachims hervorragenden Eigenschaften auch die zu rühmen, daß er den Muth seiner Meinung hatte; einen starken Beweis hierfür schon hatte in jungen Jahren sein schmetterndes Kampf-Manifest gegen Liszt ertbracht – und er hat lebenslänglich darunter leiden müssen! Ich glaube also, ich kann mit gutem Gewissen vor der Welt sagen: „Ein ehrlicher und durch und durch wahrhaftiger Künstler, der stets den Muth seiner Meinung hatte, unbekümmert um wechselnde Zeitströmungen.“ So stelle ich auch hier das Bleibende in Gegensatz zum Vergänglichen, zu den bloßen Zeitströmungen. Ich denke, auch hiermit bist Du einverstanden?! S. 14 unten: ... „blieb er doch innerlich stets der bescheidenste Mann.“ Hiergegen könnte man doch vielleicht sagen: Nur die Lumpe sind bescheiden; Joachim kannte sehr wohl seinen Werth, und wie hätte er ihn nicht kennen sollen; ja er hatte sogar manchmal etwas Königliches und Unnahbares in seinem Wesen (wenn er wollte!), was vielen sehr unbequem war und am Allerwenigsten nach „Bescheidenheit“ aussah. Allerdings war seine Pietät für die Meister schaffenden Kunst unbegrenzt. Ueberlege doch auch dies; vielleicht findest Du noch eine andere Form für das. Was ich sagen wollte. - Und achte überall auf die Interpunction. Da kann einem leicht ein lapsus unterlaufen! M. B.

Bemerkung: Max BruchBeilage zum Brief 19.09.1907

Objekteigenschaften: Handschrift

Pfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz

DE-611-HS-4312023, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4312023

Erfassung: 12. Januar 2026 ; Modifikation: 12. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-12T11:34:02+01:00